Biographie: Geboren am 4.4.1860 in Berlin, gestorben am 3.11.1938 in Cambridge, Massachusetts. Curt Abel (so sein bürgerlicher Name), war der Sohn des Professors für Vergleichende Sprachwissenschaft und Völkerpsychologie Carl A. und dessen Ehefrau, geborene Schwarz. Er besuchte das Königliche Wilhelmgymnasium in Berlin, von dem er wegen religiöser Probleme 1876 auf das Großherzogliche Gymnasium in Bruchsal wechselte. Wegen einer Tuberkulose-Erkrankung legte er das Abitur erst 1882 ab. Danach begann er ein Medizinstudium in Berlin, das er aber wohl nur halbherzig betrieb, da er nebenbei auch andere Fächer wie z.B. Neue Sprachen und Literatur belegte. Noch Ende 1882 leistete er als Freiwilliger in Berlin bei der Kavallerie ein Jahr Militärdienst, den er im Rang eines Unteroffiziers beendete. 1883 ging er zu seinem Schwager in die USA und arbeitete dort zuerst als Obstpflücker und später als Lokalredakteur am deutschsprachigen „San Franciscoer Abendblatt“. Dort gefiel es ihm offenbar so gut, daß er 1885 einen Antrag auf die amerikanische Staatsbürgerschaft stellte. Seit dieser Zeit benutzte er auch seinen Doppelnamen Abel-Musgrave. 1886 kehrte er zunächst nach Deutschland zurück, mußte gleich wieder zum Militär, um sich dann in Freiburg niederzulassen und sein Medizinstudium wieder aufzunehmen. Nach einem erneuten Reservistendienst im Sommer 1889 wurde er 1890 zu einem vierzehntägigen Militärarrest mit anschließender Degradierung verurteilt, weil er in einer Veröffentlichung die Mißhandlung von Soldaten angeprangert hatte. Die Bloßstellung von sozialen, hygienischen und anderen Mißständen betrieb er von da ab weiterhin in zahlreichen Sachbüchern, Erzählungen und Theaterstücken. Auf der anderen Seite war er damals auch ein leidenschaftlicher Monarchist, der hohe Erwartungen in den noch jungen Kaiser Wilhelm II. setzte, die jedoch spätestens nach dem 1. Weltkrieg schwer enttäuscht wurden. Nach einem kurzen Zwischenspiel als medizinischer Unter-Assistent in Zürich ging er Ende 1891/Anfang 1892 nach England, wo er als Lehrer und Erzieher sein Brot verdiente. 1898 kehrte er nach Deutschland zurück, um in Göttingen und Heidelberg Chemie zu studieren. Das Studium schloß er 1907 mit seiner Dissertation ab und wurde 1908 zum Dr. rer. nat. promoviert. 1907 heiratete er Charlotte Prüfer, mit der er eine Tochter und einen Sohn hatte. Nach seiner Promotion ging er von 1908 bis 1913 wieder als Lehrer und Journalist nach England. In Deutschland lebte er zunächst in Nieder-Walluf und seit 1915 in Königstein im Taunus. 1931 emigrierte er zuerst nach Holland um dann seit 1937 wieder in den USA bei seinem Sohn zu leben, der 1933 Deutschland verlassen hatte. Wie schon erwähnt, engagierte C. A.-M. sich in zahlreichen sozialkritischen Schriften, blieb jedoch von den Vorurteilen seiner Zeit durchaus nicht verschont, was sich an vielen sehr rassistischen Äußerungen gegenüber Asiaten, „dem aggressiven Mongolentum“ zeigt. Ein Beispiel für seine monarchistischen Illusionen sind die beiden Sachbücher „Auf der Suche nach der Demokratie“ (1914) und „Neuwelt!“ (1917), in denen er eine „monarchische Zentralisierung der Gewalt“ als beste politische Lösung aller Probleme anpreist. Im weitesten Sinne kann man das Werk „Neuwelt!“ als Utopie bezeichnen, da er dort die Entwicklung Deutschlands nach dem (siegreich!) beendeten 1. Weltkrieg als Monarchie skizziert. Um ihm Recht angedeihen zu lassen, muß aber unbedingt bemerkt werden, daß er darin wiederum weitreichende Reformen des Gesundheitswesens, des Militärs, des Gerichtswesens und der Sozialgesetzgebung, sowie Aussöhnung mit allen Kriegsgegnern fordert. Nach dem 1. Weltkrieg verliert sich jedoch schlagartig seine Begeisterung für die Monarchie und macht einem tiefen Unbehagen, ja geradezu Haß gegenüber Politikern und Diplomaten Platz. Gleichzeitig verfällt er auch der damals üblichen Begeisterung für den Spiritismus. Beides spiegelt sich in seinem einzigen Roman, dem phantastischen Werk „Der Bacillenkrieg“ (1922) wieder, in dem Visionen, Telepathie und ähnliche Dinge eine große Rolle spielen. Die Hauptfigur des Romans ist ein deutscher Biologe, der nach dem 1. Weltkrieg einen Geheimbund gründet, und alle Politiker, die schon wieder einen Krieg vorbereiten, mittels selbst hergestellter Bazillen tötet. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Romanen dieser Zeit kann er aber den Ausbruch des Krieges zwischen Japan und den USA nicht verhindern, so daß sich dieser dann zu einem mit biologischen Waffen geführten Weltkrieg ausweitet. Der zweite Teil dieses Romanes sollte Ende 1922 unter dem Titel „Die Erlösung“ erscheinen, wurde aber aus unbekannten Gründen nicht herausgegeben. Möglicherweise verwandte C. Abel-Musgrave Themen aus diesem geplanten 2. Teil in seinem phantastisch gefärbten Drama „Die große Politik“ (1932). Darin zeigt er eine Versammlung von Diplomaten, die sich gegenseitig ihren Friedenswillen erklären. Als jedoch ein Kellner Rauschgift in ihre Getränke mischt, fallen alle Verstellungen und die Politiker enthüllen ihre Machtgelüste und verbrecherischen Absichten. In einer Halluzination erleben dann alle den Weltkrieg, dem sie schließlich bei einem Gasangriff mitsamt ihren Armeen zum Opfer fallen. Wieder aus dem Rausch erwacht setzen dann fast alle unbeeindruckt ihr vorheriges Treiben wieder fort. Nur der Ministerpräsident möchte sich bessern, wird jedoch vom Kriegsminister ermordet. Der Impavidus-Verlag hat scheinbar nur dieses eine Werk veröffentlicht. Pseudonyme: Curt Abel, Curt A. Musgrave, C. Musgrave, Curt Abel Musgrawe, Kurt A. Musgrave, Kurt Abel, Ernst Lunge, W. Rosen Bibliographie: Romane: DER BACILLENKRIEG. Eine Mahnung an Alle! Frankfurt am Main: Impavidus-Verlag (1922), 1. Auflage, 315 Seiten Frankfurt am Main: Impavidus-Verlag (1922), 2. Auflage, 315 Seiten DIE ERLÖSUNG. Roman. (Unveröffentlicht) Frankfurt am Main: Impavidus-Verlag (1922) In der zweiten Auflage von "Der Bacillenkrieg" kündigte der Impavidus Verlag eine Fortsetzung unter dem Titel "Die Erlösung" an, die aber nie erschienen ist. "Der Verfasser des Romans "Der Bacillenkrieg" setzt seine Schilderungen fort, verlegt den Schauplatz nach Europa und beschreibt die Wirkungen des Krieges besonders in Deutschland, Frankreich und England. Wir zweifeln nicht daran, daß auch dieses Werk die Beachtung aller finden wird, welche den Wunsch haben, bei der Wiederaufrichtung der Menschheit, und bei der Schaffung einer neuen und besseren Weltordnung Werkzeug zu sein - wenn auch ein noch so kleines. Mit Rücksicht auf die andauernde Verschlechterung der Lage des Buchdruckereigewerbes bitten wir, uns Bestellungen möglichst bald zugehen zu lassen, da wir sonst für pünktliche Ausführung derselben nicht bürgen können."
Dramen: DIE GROSSE POLITIK. Ein Stück aus dem Hexensabbat unserer Zeit in 4 Aufzügen. Haag: Zuidhollandsche Boek- en Handelsdrukkerij (1932), 99 Seiten